Die Schlaininger Synagoge

Historische Kurzinformation

Die ersten schriftlichen Hinweise über jüdische Bewohner im Burgenland stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung jüdischer Familien im Südburgenland findet sich in einem Urbar der Schlaininger Familie Baumkirchner (16. Jh.). Zur Entstehung von dauerhaften Judengemeinden kam es erst im 17. Jahrhundert. Die Juden wurden als Fremde betrachtet und waren bestenfalls geduldet.

Den Grundherren waren die Juden hauptsächlich aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen willkommen. Im Raum des heutigen Südburgenlandes war es besonders die Familie Batthyány, die sich um die Ansiedlung jüdischer Bewohner bemühte. Auf den Gütern der Familie entstanden fünf große jüdische Gemeinden: in Groß-Kanizsa, Körmend, Schlaining, Rechnitz und Güssing.

Innenansicht der Schlaininger Synagoge ca. 1930

Innenansicht der Schlaininger Synagoge ca. 1930
Bildquelle: „Geschichte der Jüdischen Gemeinde zu Schlaining“ von Gerhard Baumgartner und „Gedenk- buch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes“ von Hugo Gold

Der jüdischen Gemeinde Schlaining wurde 1715 ein Grundstück zur Errichtung einer Synagoge zugewiesen. 1864 wurde dieser Bau erstmals restauriert. Neben der Synagoge betrieb die israelitische Kultusgemeinde in Stadtschlaining auch ein Badehaus für das rituelle Bad und eine eigene Schule.

Im Gegensatz zu Rechnitz, wo ein eigenes Ghetto entstand, lebten die Juden in Schlaining ähnlich wie in Güssing, anfangs in einem sogenannten Judenhaus zusammen. Die Juden hatten Schutzgelder und weitere Abgaben in bar zu zahlen. Die Judengemeinden im Südburgenland (Rechnitz, Güssing, Schlaining) entwickelten ein blühendes kulturelles Leben und erwarben durch die Zahlung des Schutzgeldes auch einige Autonomie. So prägte die jüdische Gemeinde den Alltag wesentlich mit. Die Aufhebung der Erwerbs- und Aufenthaltsbeschränkungen im 19. Jahrhundert führte zu einer Abwanderung in andere Gemeinden. 1899 wohnten etwa 150 Personen in Schlaining, 1934 waren es nur noch 19.

Nun folgte das NS-Regime mit Abschiebungen, Vertreibungen und Ermordung der jüdischen Bevölkerung und Beschlagnahmung des gesamten jüdischen Vermögens im Burgenland.

Die Besitzungen der jüdischen Kultusgemeinden wurden an die politischen Gemeinden verkauft (die Kultusgemeinde Wien bzw. Graz wurde dabei kurzerhand zum Rechtsnachfolger aller burgenländischen Gemeinden ernannt). Während Synagogen im Umkreis zu Jugendherbergen oder Feuerwehrhäusern umfunktioniert wurden, kam es in Stadtschlaining zu keiner Zweckentfremdung.

Nach dem Ende der NS-Herrschaft übergab die Gemeinde die Synagoge und die Rabbinerhäuser dem Österreichisch-Jüdischen Museum. Das ASPR kaufte 1986 den stark baufälligen Komplex der jüdischen Synagoge und der Rabbinerhäuser. Spenden für die Restaurierung wurden unter anderem im Rahmen einer groß angelegten Bausteinaktion erbracht. 1987/1988 wurden die Objekte restauriert und ihrer nunmehrigen Verwendung als Friedensbibliothek zugeführt.

Die ehemalige Synagoge dient der Verbreitung des Friedensgedankens

Nun dient die ehemalige Synagoge der Verbreitung des Friedensgedankens und stellt den Studierenden und Wissenschaftlern des Friedenszentrums Burg Schlaining, aber auch allen anderen Besuchern, eine stattliche Sammlung von Fachliteratur zur Verfügung.

Literaturhinweis: Baumgartner, Gerhard: Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Schlaining, hrsg. v. Österreichischen Institut für Friedensforschung und Friedenserziehung. Stadtschlaining, 1988



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